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»Schwimmi«-Kinder haben Spaß im Wasser

Mit »Schwimmi« startete in Wetzlar vor acht Jahren ein bundesweites Pilotprojekt, das Kindern einerseits das Wasser näher-, andererseits aber auch das Schwimmen beibringen soll - mit großem Erfolg.
31. Dezember 2019, 13:00 Uhr
Die Kinder sind von »Schwimmi« begeistert. 	Foto: Stadt Wetzlar
Die Kinder sind von »Schwimmi« begeistert. Foto: Stadt Wetzlar

Mehr als 1.300 Kinder von 13 Wetzlarer Grundschulen haben in acht Jahren an den Schwimmkursen teilgenommen, davon haben mehr als 850 ihr Seepferdchen-Abzeichen erreicht. Die Stadt Wetzlar rief »Schwimmi« damals gemeinsam mit dem staatlichen Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg ins Leben. Von Anfang an dabei war auch Friedel Gronych, Schulleiter der Philipp-Schubert-Grundschule.

Lange Wartelisten

Und auch heute noch, acht Jahre später, ist Gronych dreimal in der Woche in den Mittagsstunden im Wetzlarer Europabad zu finden, inmitten einer Schar Kinder, die abwechselnd angestrengt im Wasser die ersten Schwimmzüge lernt oder wie an der Perlenschnur aufgereiht am Beckenrand sitzt und auf den nächsten Sprung ins Becken wartet.

Für Gronych ist die »Arbeit außerhalb der Arbeit« mit den Zweitklässlern eine Selbstverständlichkeit, denn die Anzahl der Nichtschwimmer ist Jahr für Jahr so erschreckend hoch, dass seine Mission noch lange nicht beendet scheint.

»Die Eltern verlassen sich darauf, dass die Schule das Schwimmtraining übernimmt. Darüber hinaus gibt es für die Kurse im Schwimmbad lange Wartelisten. Wenn wir möchten, dass die Kinder im dritten Schuljahr schwimmen können, müssen wir es selbst übernehmen.« In diesem Schuljahr betrifft es von 56 Kindern in der zweiten Klasse der Philipp-Schubert-Grundschule die Hälfte. 28 Jungen und Mädchen können nicht schwimmen.

Privater Siebensitzer im Einsatz

Um allen 28 das Schwimmtraining zu ermöglichen, setzt der Schulleiter auch seinen eigenen Wagen ein. »In unsere Busse passen leider nur 23 Kinder. Also fahre ich den Rest in meinem Siebensitzer ins Europabad.«

Gronychs Einsatz lohnt sich. Von den 22 Jungen und Mädchen, die den vierwöchigen Kurs derzeit noch besuchen, werden 14 ihr Seepferdchen-Abzeichen machen. »Acht Kinder sind noch sehr unsicher, haben Angst im Wasser. Da müssen wir ganz kleine Schritte gehen.« Die beginnen bei der Wassergewöhnung und ersten koordinierten Schwimmbewegungen. »Das Projekt ist eine meiner Prioritäten. Ich sehe, wie die Kinder im Kurs aufblühen. Sie kommen morgens schon in der Schule fröhlich auf mich zu und sagen mir, wir sehr sie sich auf den Schwimmkurs am Mittag freuen.« Nach der vierten Stunde, um 11.20 Uhr, fährt der Bus Richtung Europabad ab. »An diesen Tagen wird nicht nur Schwimmen gelernt«, erläutert Gronych.

Die Zweitklässler müssen sich ebenso alleine organisieren, umziehen, duschen und eigenverantwortlich am Becken einfinden. Die eigentliche Zeit im Wasser beträgt oft nicht mal eine Stunde. »Aber alle haben so einen Spaß dabei, dass das Ganze wunderbar einfach funktioniert und wir beim Umziehen kaum Zeit verlieren«, sagt der Schulleiter. Doch trotz der vielen positiven Begleitumstände hat Gronych auch einen Wunsch an die Eltern: »Bitte geht mit den Kindern wenigstens ins Schwimmbad, damit sie sich ans Wasser gewöhnen. Denn das können wir hier eigentlich nicht nebenbei auch noch leisten.«

Erhebliche Kosten

Das Projekt kostet im Jahr je nach Teilnehmerzahl zwischen 15.000 und 20.000 Euro, inbegriffen sind unter anderem die Fahrdienste, die das Deutsche Rote Kreuz übernommen hat. Eine weitere wichtige Säule bei der Umsetzung sind der Verein Pro Sport Wetzlar und die Franziska-van-Almsick-Stiftung. Darüber hinaus braucht jede »Schwimmi«-Klasse einen Coach, der um diese Uhrzeit das Training übernehmen kann. Zudem sind Bäder nötig, die den Bedarf auffangen können.

Speziell Zweitklässler angesprochen

»Wetzlar kann ein Projekt in dieser Größenordnung gerade noch abdecken«, sagt Sportamtsleiter Wendelin Müller. Er erklärt, wieso sich das Angebot an Zweitklässler richtet: »Das Alter zwischen fünf und sieben Jahren ist ideal. Den Kindern, die am Ende dieses Zeitraums stehen und nicht schwimmen können, bieten wir den Kurs an.« In manchen Fällen geht die Begeisterung für das Wasser über das Seepferdchen-Abzeichen hinaus. »Es war immerhin ein Junge dabei, der so begeistert war, dass er jetzt beim TV Wetzlar den Wettkampf-Schwimmsport bestreitet«, berichtet Müller stolz.

Vom »Schwimmi« zum Schwimmsport

as Angebot kam von Uwe Hermann, der für den TV Wetzlar »Schwimmi« koordiniert und selbst als Trainer dabei ist. »Tim wurde mit der Staffel Bezirksmeister und hat sich für die hessischen Staffelmeisterschaften qualifiziert«, berichtet Hermann stolz.

»Die Schulen spüren deutlich, dass »Schwimmi« ein sinnvolles Projekt ist«, sagt Wendelin Müller. Die positiven Effekte erkannten auch andere Kommunen, die nach dem Wetzlarer Vorbild ein ähnliches Programm ausgearbeitet haben.

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