14. September 2018, 18:00 Uhr

Marburg

Lammert spricht über Ethik in der Wirtschaft

Der langjährige Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach in Marburg zum Thema »Wirtschaftsethik – Entwicklungen und Erfahrungen in Zeiten der Globalisierung«.
14. September 2018, 18:00 Uhr
Norbert Lammert sprach über ethische Orientierungen als Grundlage ökonomischen Handelns. Foto: Häuser

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf hatte zu ihrem jährlichen Sparkassen-Forum eingeladen. Bevor sich der promovierte Sozialwissenschaftler vor 1.400 Gästen in der Sporthalle am Gaßmann-Stadion dem »nicht besonders gemütlichen« Thema widmete, schwenkte er zunächst auf die aktuelle politische Entwicklung nach den Ereignissen in Chemnitz ein. »Demokratie ist immer dann gefährdet, wenn die Menschen sie für selbstverständlich halten«, zitierte Lammert den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und warnte »die Mehrheit« davor, zu schweigen: »Dann werden radikale Minderheiten immer lauter!« Die deutsche Demokratiegeschichte biete dafür deprimierendes Anschauungsmaterial. Sorge bereite zudem die labile internationale Sicherheitsarchitektur mit dem Brexit und der Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen.

Immer häufiger geht es nur noch um Profit

Auf das eigentliche Thema des Abends zurückkommend, analysierte Lammert das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Ethik. Ob und unter welchen Voraussetzungen ethische Orientierungen zur Grundlage ökonomischen Handels gemacht werden können und müssen, lautete die Kernfrage. Immer häufiger gehe es in großen Aktiengesellschaften nicht mehr um die Produkte und die Menschen, die sie produzierten, oder Standorte, sondern nur noch um den Profit. Die Herausforderung bestehe darin, Ethik und Wirtschaft in eine Balance zueinander zu bringen.

Die mit der Digitalisierung einhergehende Globalisierung der Märkte habe enorme Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik, meinte Lammert. Davon seien alle Bereiche der Wirtschaft betroffen, und die nachhaltigste politische Wirkung bestehe darin, dass Nationalstaaten nicht mehr »Herren ihrer eigenen Angelegenheiten« seien. Daher sei beispielsweise der Brexit die »kopfloseste Entscheidung, die sich die Briten in ihrer Geschichte erlaubt haben«, sagte Lammert. »Sie glauben wieder zurückkehren zu können zu ihrem nationalstaatlichen Handeln, aber die Globalisierung kann nicht zurückgedreht werden.« Die früheren Bedingungen seien »irreversibel vorbei«.

Der Ex-Bundespolitiker votierte im Kontext von Ethik und Wirtschaft gegen ein Übermaß an gesetzlich verordneten Regulierungen. Stattdessen sei es ratsam, in Unternehmen Sachverhalte in Form von Selbstverpflichtungen zu regeln. Dies gelinge jedoch häufig nicht, sodass der Ruf nach dem Staat zur letztendlichen Instanz werde und dieser gesetzliche Verpflichtungen erarbeiten müsse, an denen dann auch wieder herumkritisiert werde.

Warum nicht Bundespräsident?

Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch hatte bei seiner Begrüßung auf die Bedeutung der Sparkasse als regional verankertes Kreditinstitut hingewiesen. »Wir wollen weiter in die Zukunftsfähigkeit unserer Hauses investieren«, versicherte Bartsch. Trotz Digitalisierung sei der persönliche Kontakt zu den Kunden weiterhin gewünscht. Für Norbert Lammert hatte sich der Sparkassen-Chef am Ende des gut zweistündigen Forums noch eine Frage aufgehoben, die ihm nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Bundestagspräsidenten vermutlich dauernd gestellt wird: »Warum nicht Bundespräsident?« Die knappe wie schlagfertige Antwort Lammerts ließ nicht lange auf sich warten: »Dann hätte ich heute nicht kommen können!«

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