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»Ein absoluter Gewinn für die Altstadt«

Zügiger als geplant gehen die Bauarbeiten in der Altstadt im Rahmen der Grauguss-Sanierung voran. Grund ist auch der coronabedingt geringere Betrieb in der Altstadt.
19. August 2020, 13:00 Uhr
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Bürgermeister Andreas Viertelhausen, Archäologin Elisabeth Faulstich-Schilling und enwag-Geschäftsführer Berndt Hartmann präsentieren das neue Altstadtpflaster. Foto: Stadt Wetzlar

Mit der Sanierung der Gas-, Wasser- und Stromleitungen wird auch das Pflaster ausgetauscht. Ein erster Abschnitt in der Lahnstraße ist bereits mit den neuen Pflastersteinen versehen, die in der gesamten Altstadt verlegt werden.

Künftig wird keiner mehr durchgeschüttelt

Bürgermeister Andreas Viertelhausen und enwag-Geschäftsführer Berndt Hartmann stellten das neue Betonsteinpflaster vor. 4.000 Quadratmeter, rund 84.000 Steine, werden nach und nach in Lahnstraße, Silhöfer Straße, Zuckergasse, Hofstatt, Sandgasse, Krämerstraße und am Eisenmarkt verlegt.

»Dieses neue Pflaster ist ein Gewinn für die Altstadt«, betonte Andreas Viertelhausen. »Das Pflaster passt optisch gut ins Stadtbild und künftig können Menschen im Rollstuhl, mit Rollatoren oder mit Kinderwagen in der Altstadt unterwegs sein, ohne durchgeschüttelt zu werden«, sagt er.

Der Betonstein ersetzt einen Flickenteppich aus verschiedenen Pflastersteinen, die derzeit in der Altstadt verlegt sind. Hätte man das alte Pflaster gelagert, gereinigt und wieder eingesetzt, wäre das teurer geworden, als ein neues Pflaster einzusetzen, sagt Thomas Hemmelmann, Leiter des Büros des Baudezernats.

Hohe Anforderungen an die Pflastersteine

Das Pflaster sei von einer Arbeitsgruppe der Stadt ausgesucht worden und berücksichtige Anforderungen der Barrierefreiheit, der Belastbarkeit wie des Denkmalschutzes. Lediglich vor einigen historischen Gebäuden verbleibt das bisherige Natursteinpflaster.

Erste Rückmeldungen von Passanten seien überwiegend positiv. Auch die entnommenen »Stolpersteine« zum Gedenken an ermordete jüdische Mitbürger würden wieder an Ort und Stelle eingesetzt. Die Kosten für die Pflasterung trägt als Bauherr die enwag.

Historische Funde

Nach Abschluss der Lahnstraße werden die Arbeiten vom Eisenmarkt in Richtung Liebfrauenberg fortgesetzt. Die Baustelle der enwag in der Altstadt wird auch durch ein Archäologiebüro unter Leitung von Elisabeth Faulstich-Schilling begleitet. Sie berichtete, dass im ersten Bauabschnitt im Boden bereits mehr als 100 historisch bedeutsame Gegenstände gefunden wurden, darunter ein Kugelgefäß aus dem 13. Jahrhundert und eine Steinzeug-Kanne aus dem 16. Jahrhundert.

Im Zuge der Untersuchungen sei festgestellt worden, dass die Lahnstraße früher schmaler war und auch der Eisenmarkt enger bebaut war. Auch ein historischer Abwasserkanal sei entdeckt worden. Eine Dokumentation der Funde sei bereits in Arbeit.

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