03. April 2026, 13:00 Uhr

Marburg

Unterstützung für inklusiv betriebene Jugendherberge

700.000 Euro Förderung durch den Landeswohlfahrtsverband gab es jetzt für Hessens erste inklusiv betriebene Jugendherberge in Marburg.
03. April 2026, 13:00 Uhr
Bescheidübergabe in der neuen Jugendherberge in Marburg (v.l): Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Dr. Klaus Becker und Knut Stolle (beide Vorstand DJH Hessen), Susanne Simmler (LWV-Landesdirektorin), Herbergsleiter Peter Schmidt, Staatssekretärin Manuela Strube und Landtagsabgeordneter Sebastian Sack. Foto: Alicia Wiemann/DJH-Hessen

Mitarbeitende mit einer Behinderung und spezielle Ausbildungsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen, ein barrierefreies Gebäude und inklusive Angebote wie Kanufahren für Rollstuhlfahrer sowie eine Wegführung und farbliche Kontrastgestaltung durch die Blista – dies sind Besonderheiten, die die neue Jugendherberge in Marburg auszeichnen.

Die Umsetzung dieses inklusiven Konzepts war möglich durch die finanzielle Förderung des Integrationsamts des Landeswohlfahrtsverbands (LWV) Hessen. Einen Bescheid über rund 700.000 Euro hat LWV-Landesdirektorin Susanne Simmler im Beisein von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Manuela Strube (Staatssekretärin im hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales), Herbergsleiter Peter Schmidt sowie Dr. Klaus Becker (Vorstandsvorsitzender) und Knut Stolle (Vorstandsmitglied des DJH-Landesverbands Hessen) überreicht. „Ich bin wirklich begeistert von diesem Projekt, das so viele inklusive Facetten hat, viele Menschen erreicht und vor allem junge Menschen zusammenbringt. Selten passte unser LWV-Hashtag ‚LebenWirVielfalt‘ so gut, denn Inklusion ist hier keine Phrase, sondern gelebte Wirklichkeit“, sagte Susanne Simmler.

Neubau machte vieles möglich

Fast 64 Jahre existierte die alte Jugendherberge in Marburg, bevor sie im Oktober 2022 abgerissen und ab Mitte 2023 wieder aufgebaut wurde. Im November 2025 startete der Probebetrieb der neuen Jugendherberge, die am 3. Dezember eingeweiht wurde. Bereits bei der Planung bezogen die Verantwortlichen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) Hessen den sozialen Anspruch an den Neubau ein.

Sie gründeten Ende 2022 den Inklusionsbetrieb „Inklusive Jugendherbergen Hessen gGmbH“, der Träger der Jugendherberge ist. „Der gesamte Landesverband des DJH in Hessen freut sich, dass dieses Projekt trotz aller Widrigkeiten nun Realität geworden ist und die Inklusive Jugendherbergen Hessen gGmbH durch die Jugendherberge Marburg endlich den Traum einer barrierefreien und inklusiven Jugendherberge leben kann und hoffentlich so viel Strahlkraft mitbringt, dass weitere hessische Inklusionsherbergen folgen. Denn Jugendherbergen für alle müssen auch Jugendherbergen von allen sein“, sagte Marburgs Herbergsleiter Peter Schmidt.

Entstanden ist ein Neubau mit 183 Betten, vorrangig in Vierbettzimmern mit eigenem Sanitärbereich. Das Gebäude mit 50 Zimmern auf vier Etagen und einer Fläche von insgesamt rund 3.460 Quadratmetern ist vollständig barrierefrei. Es gibt vier vollständig rollstuhlgerechte Zimmer, die mit E-Rollstühlen nutzbar sind, sowie vier weitere barrierefreie Zimmer. Sieben Seminarräume mit 35 bis 150 Quadratmetern stehen für ein breites Bildungs- und Seminarangebot zur Verfügung. Zudem gibt es einen etwas abseits gelegenen, besonders ruhigen Raum, der als Rückzugsraum für Menschen aus dem Autismus-Spektrum genutzt werden kann.

„Für uns als hessisches Sozialministerium sind Inklusion und Teilhabe ganz zentrale Themen. Wir haben den Neubau mit knapp einer Million Euro unterstützt. Dass hier nun ein Ort entstanden ist, der jungen Menschen barrierefreie Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse ermöglicht, freut mich außerordentlich. Ich danke dem Landeswohlfahrtsverband, der mit seiner Förderung entscheidend dazu beiträgt, dass hier Inklusion gelebt und ein echtes Leuchtturm-Projekt realisiert wird“, sagte Staatssekretärin Manuela Strube bei ihrem Besuch in Marburg.

Gelder fließen in Ausstattung

Mit den Fördergeldern des LWV konnte unter anderem der Großteil der Ausstattung finanziert werden. Dazu gehören die Betten und Schränke in den Gästezimmern, Tische und Stühle im Speisesaal, Büroausstattung in verschiedenen Leitungsräumen sowie auch ein Kicker und ein Pavillon mit Sitzgelegenheit im Außenbereich.

„In Marburg hat Inklusion einen sehr hohen Stellenwert – in der Politik und der Stadtgesellschaft. Wir sind Blindenhauptstadt und achten in der Stadtgestaltung und bei Neubauten sehr auf Barrierefreiheit. Es gibt inklusiv betriebene Dienstleister und Übernachtungsbetriebe. Insofern ist Marburg perfekt geeignet, der erste Ort in Hessen für eine inklusive Jugendherberge zu sein“, berichtete Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Von den zuwendungsfähigen Nettoinvestitionskosten in Höhe von 1.155.422,32 Euro finanziert das LWV Integrationsamt Hessen rund 60,58 Prozent. Der Rest wird durch Eigenmittel des Trägers finanziert. Zusätzlich wird der Betrieb mit 400.000 Euro durch Aktion Mensch im Personalbereich gefördert.

Voraussetzung für die Förderung durch das LWV Hessen Integrationsamt ist, dass dort zehn neue Vollzeitstellen für schwerbehinderte Menschen für rund vier Jahre bestehen.

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