17. August 2026, 13:00 Uhr

Gießen

44. Tour der Hoffnung ein voller Erfolg

Die 44. Tour der Hoffnung hat einen stattlichen Reinerlös zugunsten krebskranker Kinder eingefahren.
17. August 2026, 13:00 Uhr
Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt (schwarzer Helm), während der 44. Tour der Hoffnung im Gespräch mit Wolfgang Rinn. Foto: Pierre Johne

25 Grad, viel Sonne und wertvolle Begegnungen: Die 44. Tour der Hoffnung ist über die Ziellinie geradelt. Mehr als 160 Menschen traten drei Tage lang in die Pedale, um in ihren grünen Trikots und gelben Helmen wieder Spenden für krebskranke Kinder und Jugendliche zu sammeln. Rund 250 Kilometer legten sie zurück. Der Reinerlös einer der größten, ehrenamtlich organisierten Benefiz-Radtouren der Bundesrepublik lautet in diesem Jahr: 1.444.500 Euro. Alle helfenden und organisierenden Hände machen das zu 100 Prozent ehrenamtlich.

Reinerlös von 1.444.500 Euro

„Unsere gemeinsamen drei Tage waren wieder unfassbar emotional“, berichtete Schirmherrin Petra Behle nach der Zieleinfahrt. Die Radlerinnen und Radlern erlebten dabei Momente, die ihnen genauso im Gedächtnis bleiben werden wie den vielen Menschen, die sie bei den 22 Stopps getroffen haben: mit Volksfeststimmung vor einer Brauerei, beim morgendlichen Start auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Magdeburg, bei der Polonaise auf der Wiese eines Badesees, zu Besuch im Autohaus oder nach der Einfahrt auf dem Marktplatz unter Geläut mit Cheerleadern und vielen Menschen. So geschehen in Köthen in Sachsen-Anhalt. „Dazu war das Wetter mit einer Mischung aus Sonne und hier und da ein paar Wolken perfekt, um bei unseren Stopps das Leben zu feiern und möglichst viele Spenden zu sammeln“, ergänzte die Olympiasiegerin und neunfache Biathlon-Weltmeisterin.

Winkende Menschen

Und immer wieder winkten Menschen am Zaun oder aus Autos heraus, hupten Lkw-Fahrer und staunten Kinder, wenn der lange Tross mit den grünen Trikots und gelben Helmen an ihnen scheinbar endlos vorbeizog. „Es hat einfach alles gepasst“, sagte der erste Vorsitzende Dr. Mathias Rinn erleichtert. Der hatte im Winter zusammen mit Jürgen Merlau schon begonnen, die dreitägige Mammutausfahrt zu organisieren. Mit im Orga-Sattel saß Wolfgang Rinn, der zweite Vorsitzende des Trägervereins Tour der Hoffnung. Er lobte die Unterstützung aller Beteiligten. Im Dauereinsatz war hierbei Schatzmeister Benjamin Wagner, der den Stand des Spendenkontos immer auf dem aktuellen Stand hielt und jede einzelne Spende verbuchte.

Drei Tage im Sattel

Die Strecke startet am Prologdonnerstag traditionell in Gießen. Die erste Etappe war diesmal 60 Kilometer lang und führte über Heuchelheim und Wieseck weiter nach Lollar, Staufenberg, Reiskirchen, Lich und zurück nach Gießen. Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann hatte nicht nur die Biebertaler Sporthalle zum Duschen bereitgestellt, sondern persönlich Carepakete für alle gepackt. Weiter ging es abends mit drei Bussen nach Magdeburg.

Eine kurze Nacht später machte sich das Fahrerfeld am frühen Morgen im Bördepark in Magdeburg startklar. Von der 95-jährigen DDR-Radlegende Täve Schur auf die Strecke verabschiedet, führte die zweite Etappe mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze als Mitradler zum Kurpark Schönebeck, weiter nach Staßfurt zu einem salzhaltigen Badesee, auf den Marktplatz von Köthen bis nach Halle, wo der Tag in einem Gewerbegebiet bei Kilometer 116 endete.

Der Abschlusstag begann in Halle. Eine spektakuläre Einfahrt wartete in Merseburg.  Nach einer kurzen Auffahrt fanden sich die Tour-Radler auf der Velodrom-Strecke wieder, der letzten erhaltenen Radrennbahn in Sachsen-Anhalt, auf der sie begeistert eine Ehrenrunde drehten. Der Förderverein hatte sich reingehängt und sogar eigene Tour der Hoffnung-Energydrinks produzieren lassen. Ein Volksfest lief schon bei der Einfahrt vor dem Kulturhaus in Leuna. Nach weiteren Stopps auf dem Marktplatz in Lützen und bei einer Spielbank in Leuna-Günthersdorf kam fahrtechnisch der schwerste Teil durch Leipzig mit seinen vielen Schienen, die für Straßenbahn grundlegend sind, für Radfahrer aber hinlegend sein können.

Im Park an der onkologischen Kinderstation im Universitätsklinikum begrüßte Prof. Dr. Roland Päffle die Gäste an ihrem Ziel. Auch hier gab es Schecks unter tosendem Applaus. Erfasste Stille herrschte bei dem Auftritt von Mitradler Tim Reinicke, dessen Sohn vor zwei Jahren an Leukämie erkrankte. Die zweite Chemotherapie wirkte zwar, aber zu spät. Sein jüngerer Bruder Oskar war zum Glück ein Match als Rückenmarkspender. Das Team der Uniklinik operierte erfolgreich. Heute ist Paul wieder gesund.

Wer das Geld bekommt

Mit den Spendengeldern werden die Forschung, neue Behandlungskonzepte, pflegerische und psychosoziale Betreuung und klinische Versorgung aktiv unterstützt. Bei der Tour der Hoffnung gilt: Die Spenden kommen zu 100 Prozent bei den Begünstigten an. Sämtliche Kosten der Tour der Hoffnung, von der Organisation bis zur Umsetzung, werden von Sponsoren getragen.

Bei jedem einzelnen Stopp moderierten Eiskunstläuferin Marina Kielmann und Thomas Ernst das Programm. Die musikalischen Botschafter Jessica Kessler und Dominik Reichelt setzten mit der Tour-Ballade „Ein Licht am Horizont“ den Grundton, konnten aber auch die Gäste zum Tanzen abheben lassen. Zwei Tour-Aktive mischten sich mit Sparschweinen unter die Bürger. Zuletzt übernahm Petra Behle die Dankesrede an den Gastgeber. Erinnerungsfotos wurden gemacht und Autogramme gesammelt. Dann kam der Pfiff und es ging wieder in den Sattel.

Bekannte Namen

Viele Prominente nutzen ihre Bekanntheit, fahren mit und lassen Selfies mit sich machen. Den Grund der Teilnahme fasste Fußballer und Trainer Felix Magath stellvertretend für viele während eines Stopps zusammen: „Ich bin hier in einer Gemeinschaft, wie ich noch keine Gemeinschaft erlebt habe.“ Dabei waren diesmal unter anderem: Schauspieler Johann von Bülow, Skispringer Stephan Leyhe, Boxer Henry Maske, die Schwimmer Dagmar Hase, Jens Lehmann und Prof. Klaus Steinbach, Ruderin Kathrin Boron, die Biathleten Katrin Apel, Sven Fischer und Frank Ullrich und Hessenschau-Moderator Andreas Hieke. Fehlen durften auch nicht die beiden Tour-Urgesteine Jupp Kapellmann und Klaus-Peter Thaler, die sich seit der ersten Tour im Jahr 1983 der Sache verschrieben haben. Insgesamt waren 28 Prominente am Start.

Nächstes Jahr nach Hannover

Neben der finalen Spendensumme interessiert alle im Saal das kommende Ziel: „Nächstes Jahr geht’s nach Hannover“, verkündete der Vorsitzende Dr. Mathias Rinn. Auch das Datum steht bereits fest: Die 45. Tour der Hoffnung wird vom 11. bis 15. August 2027 rollen. Mit einer Neuerung: sie wird einen Tag länger gehen. Der Prolog wird weiterhin in und rund um Gießen rollen – dann aber einen Tag länger.

Das medizinische Kuratorium entscheidet in den kommenden Wochen über gestellte Anträge, 41 an der Zahl, davon 24 wissenschaftliche und 17 therapiebegleitende, mit einem Förderbedarf über 2,8 Millionen Euro. Im November werden die Zuwendungen übergeben. Auch wenn die 44. Tour der Hoffnung nun vorbei ist, kann weiterhin gespendet werden.

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