Scheitern nicht immer in etwas Gutes umdeuten

Scheitern als Chance - das wird gerade groß geschrieben. Eine Niederlage soll man positiv deuten. Hm, darf man sich heute eigentlich nicht mehr über einen Fehler ärgern? Doch, sagt ein Psychiater.
13. September 2017, 05:00 Uhr
Mit Freude scheitern? Das muss keiner. Seinem Ärger kann man ruhig mal Luft machen.

Es ist immer wieder zu lesen: Scheitert jemand, habe das doch auch etwas Gutes. Scheitern sei wichtig und helfe, sich neu zu sortieren. Darf man sich noch richtig ärgern?

Alles immer positiv umzudeuten, ist aber auch wahnsinnig anstrengend. Deswegen kann man das ruhig mal sein lassen, sagt der Münchner Psychiater Prof. Peter Falkai aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). «Echtheit», sagt er, «hat einen hohen Wert.» Geht es einem schlecht, weil man eine Aufgabe so richtig versemmelt hat, kann man das ruhig zulassen. «Es auszusprechen, tut auch sehr gut», ist Falkais Erfahrung.

Das gilt auch, wenn andere aus der eigenen Sicht Fehler gemacht haben. «Es gibt eine Tendenz, stets alles positiv zu formulieren.» Das aber sei nicht authentisch. Die Familie oder auch Kollegen oder Untergebene bekämen in der Regel mit, wenn jemand nicht ehrlich ist. «Besser, derjenige macht seinem Ärger einmal Luft.» Dann wissen alle, woran sie sind, und können daran arbeiten, dass es beim nächsten Mal besser läuft.

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