Marburg

Trump, Trump und nochmals Trump

Auf die Weltpolitik zielte das Gesprächsforum der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, bei dem 1.200 Besucher in der Georg-Gaßmann-Sporthalle zu Gast waren.
09. Oktober 2017, 11:51 Uhr
1.200 Besucher kamen am Donnerstagabend zum Gesprächsforum der Sparkasse Marburg-Biedenkopf in die Georg-Gaßmann-Halle in Marburg. Foto: Häuser

Gastrednerin war ZDF-Moderatorin Antje Pieper, die zum Thema »USA ein Jahr nach Donald Trump – in welche Richtung strebt Amerika?« mit zahlreichen Daten und Fakten aufwartete. »Wir sind ein regional verwurzeltes Kreditinstitut, aber es kann uns nicht egal sein, was in der Welt um uns herum passiert«, verwies Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch eingangs auf die besondere Rolle der USA. Seit den Präsidentschaftswahlen schaue die Öffentlichkeit gebannt, ängstlich und interessiert auf das, was in Amerika passiere.

Aus der Sicht seiner Wähler sei Trumps Politik ein Triumph, so Pieper. Sie machte sich im Frühjahr in den USA ein persönliches Bild von der dortigen Stimmungslage, wollte auch in Wählerhochburgen des US-Präsidenten wissen, was Menschen veranlasste, ihn ins höchste politische Amt zu hieven. Vor diesem Hintergrund klopfte Antje Pieper die vollmundigen Versprechen Donald Trumps seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 auf ihre Haltbarkeit ab: etwa den Bau einer Mauer an der Grenze nach Mexiko, die Verschärfung der Einwanderungsgesetze und Ausweisung von Kindern illegaler Einwanderer (»Dreamer«).

»Viel Getöse, viel Getwitter« machte die ZDF-Journalistin nicht nur bei diesen Themen aus, sondern auch in Fragen des Rassismus. Da gelte Trump als »Anwalt der weißen Männer« und habe sich inzwischen mit der »halben Sportwelt angelegt wegen niederknieender Footballspieler bei der Nationalhymne«.

Steuerreform lenkt vom Scheitern ab

Vom Scheitern bei der Abschaffung der Gesundheitsreform (»Obamacare«) seines Vorgängers wolle er nun ablenken durch eine Steuerreform, bei der vor allem die Mittelschicht deutlich entlastet werden solle. Trump spreche, so Pieper, von der größten Steuersenkung in der Geschichte der USA.

Auf internationalem Parkett betreibe der US-Präsident bei jeder Gelegenheit Abschottung, streifte die ZDF-Moderatorin den Rückzug aus Freihandelsabkommen und den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Nationalstaatliches Denken bestimme Trumps Weltbild, »klare Kante« seinen Disput mit Nordkorea und dem Iran.

Innenpolitisch habe Trump zwar noch im Wahlkampf angekündigt, den »Washingtoner Sumpf« austrocknen zu wollen. Er selbst holte sich aber seine Tochter und deren Mann als Berater ins Boot. Das Personalkarussell mit Rücktritten enger Berater und Minister zeuge von einem »chaotischen Stil im Weißen Haus«.

Keine schnelle Ablösung Trumps in Sicht

Von einer schnellen Ablösung des US-Präsidenten geht Antje Pieper nicht aus. Das sei vor den nächsten Wahlen wohl nicht zu erwarten, sagte sie – auch wenn in US-Medien schon eine Schattenkampagne um Vizepräsident Mike Pence kolportiert wird. In einem Interview mit dem republikanischen US-Professor Eliot A. Cohen habe dieser die Überzeugung ausgesprochen, dass Donald Trump nicht genug Format habe, die USA zu verändern.

Pieper klammerte sich weitgehend an ihr Manuskript, verlor sich häufig in Details, Statistiken und Zitaten. »Der Funke ist nicht übergesprungen. Mir war das zu sehr vom Blatt abgelesen«, kritisierte eine Zuhörerin dann auch nach der Veranstaltung. Und ein anderer Besucher meinte: »Ich hätte mir mehr persönliche Einschätzungen von ihr als Journalistin gewünscht: zum Beispiel, wie sich ihrer Meinung nach Trumps Politik auf uns in Europa auswirken könnte.«

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