Dillenburg

Schließung des Landgestüts sorgt für Aufregung

Die Reaktion auf die von Umweltministerin Priska Hinz mitgeteilte Absicht, das Landgestüt Dillenburg zu schließen, löste heftige Reaktionen aus. Dillauf und dillab regt sich Widerstand.
15. Juli 2017, 15:23 Uhr
Das Landgestüt Dillenburg hat offensichtlich viele Unterstützer hinzugewonnen. Ob es hilft?

»Wir hoffen sehr, dass das Hessische Umweltministerium diese Entscheidung noch einmal überdenkt«, sagt Haigers Bürgermeister Mario Schramm.

Haiger bietet Hilfe an

In einem Schreiben an Ministerin Priska Hinz von den Grünen macht der Magistrat deutlich, dass er eine Schließung als Rückschritt für die Entwicklung der Region betrachtet. Die Stadt bietet konkrete Hilfe an: So gebe es viele Fachleute in Haiger, die sicher bereit seien, bei der Behebung der Probleme behilflich zu sein.

SPD-Chef verärgert

Kurios wurde es, als sich SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel am Donnerstag vor Ort ein Bild machen wollte und angeblich nicht mit dem Betriebs- und Personalrat des Landgestüts sprechen durfte. Dieser sei aber zur fraglichen Zeit gar nicht in Dillenburg gewesen, teilte das Umweltministerium mit. So bekam Schäfer-Gümbel lediglich eine Führung und trat sichtlich verärgert die Heimreise an.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) sowie acht weitere Verbände haben die Schließung mit der Begründung, dass kein mehrstündiger freier Auslauf auf der Weide möglich sei, kritisiert: »Wichtig ist, dem Pferd einmal am Tag die Möglichkeit zu geben, selbst Gangart und Intensität zu bestimmen. Wenn dies ganzjährig täglich besteht, gewöhnt sich jedes Pferd schnell daran«, so Dr. Christiane Müller, Tierschutzbeauftrage der FN sowie Sachverständige für Pferdehaltung, -zucht und -sport.

Verband zweifelt Gründe an

Da Weideflächen nicht immer und nur selten im Winterhalbjahr zur Verfügung stünden, seien wetterfeste Ausläufe oder das Freilaufen in der Reithalle eine gute Alternative. »Die Aussage der Ministerin, dass freie Bewegung nur auf der Weide gewährleistet werden kann, ist demnach unzutreffend«, sagt Müller.

Vorgeschobene Argumente?

Da in der Anlage des Hessischen Landgestüts alle Anforderungen – außer den Flächen für Koppeln – erfüllt sind, die Tiere gesund sind, kein auffälliges Verhalten zeigen, keine Angst oder Stress haben, sei der Tierschutzgrund nicht gerechtfertigt.

»Das Landgestüt ist ein Stück Kulturgut«, sagt Dr. Matthias Büger, Kreisvorsitzender der FDP Lahn-Dill. Der Kreisvorstand der Partei forderte die Landesregierung auf, das Gestüt zu erhalten. Auch für den Tourismus sei es wichtig.

»Wenn ein Verstoß gegen den Tierschutz vorliege, hätte die Landesregierung das Gestüt schon längst schließen müssen. Die artgerechte Haltung der Tiere lässt sich durch geeignete Maßnahmen gewährleisten, wenn man dies denn will. Wir halten die Argumente für vorgeschoben«, erklärt Büger.

Protestaktionen und Unterstützung

Bei einer Protestkundgebung am Landgestüt wurde klar, dass es ebenso heftigen Widerstand gegen die Schließung aus der Dillenburger Bevölkerung gibt. Schon zuvor haben viele Bürger bei der Stadtverwaltung angerufen und ihren Unmut geäußert. Viele glauben nicht, dass der vermeintlich nicht vorhandene Tierschutz der Grund zur Schließung sei.

De Nachbarstadt Herborn – Wohnort von Priska Hinz – wendet sich mit einem Memorandum gegen die Schließung des Landgestüts.

»Die Begründung für den Totalabbau überzeugt uns nicht. Eine wirkliche Abwägung hat, scheint es, nicht stattgefunden. So fehlt die Würdigung der fachlichen Kompetenz des Landgestüts und vor allem auch seiner Mitarbeiter. Ebenso vermissen wir die Feststellung des besonders hohen Denkmalwerts der Anlage«, schreibt Bürgermeister Hans Benner an die Ministerin.

Die kurz nach den Schließungsplänen gestartete Online-Petition auf www.change.org hat mittlerweile rund 15.600 Unterschriften gesammelt.

Ohne Chance zur Umgestaltung

Der Förderverein des Landgestüts erklärt, dass gerne das Angebot der Stadt Dillenburg angenommen werde, den angrenzenden Hofgarten in Auslaufflächen umzugestalten. Sollte es tatsächlich etwas an der Anlage zu bemängeln geben, das verändert werden kann, müsse auch die Chance eingeräumt werden, diese Veränderungen vorzunehmen. (sr)

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